Reisevorbereitungen Fernreise, Teil 2
Von Roadrunner | 13.Dezember 2011
Die medizinischen Risiken einer Reise
Zur Vorbereitung auf eine Fernreise gehört vor allem auch die medizinische Vorbereitung. Welche Medikamente benötige ich ständig und bekomme ich diese Medikamente auch vor Ort oder muss ich sie mit mir führen? Vor allem aber: Sind die Medikamente, die ich benötige in meinem Urlaubsland auch legal? Böse Überraschungen kann zum Beispiel derjenige erleben, der in die Golfstaaten fährt und dort verhaftet wird, weil er ganz gewöhnliche Schmerzmittel mit sich führt, die in diesen Ländern aber als Drogen klassifiziert sind.
Klimatische Bedingungen
Ebenso wichtig ist es, sich über die klimatischen Bedingungen des Urlaubsziels zu informieren. Ist es in meinem Reiseland ungewöhnlich heiß oder kalt oder kann ich dort die Höhenkrankheit bekommen?
Notwendige Impfungen
Sehr wichtig ist die Frage nach den vorgeschriebenen oder empfohlenen Impfungen. Hier sollte man unbedingt einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.
Reisekrankenversicherung
Wichtig ist vor allem eine gute Reisekrankenversicherung. ·Diese sollte den “medizinisch sinnvollen Rücktransport” im Falle eines Unfalls oder einer Krankheit beinhalten.
- Falls ich ständig Medikamente benötige: Gibt es diese Medikamente auch am Urlaubsort?
- Sind die von mir mitgeführten Medikamente am Urlaubsort auch legal?
- Benötige ich an meinem Reiseziel spezielle Medikamente?
- Habe ich mich umfangreich reisemedizinisch beraten lassen?
- Habe ich alle notwendigen Impfungen durchgeführt?
- Habe ich an alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände, wie z. B. Mückenschutzmittel etc. gedacht?
- Habe ich eine Reisekrankenversicherung abgeschossen, die im Krankheitsfall auch meinen Rücktransport beinhaltet?
Impfungen
Reisemedizinische Impfungen und Malaria-Prophylaxen sind ein heikles Thema: Viele halten reisemedizinische Impfungen für überflüssig und gefährlich, andere betonen die extremen Risiken die man eingeht, wenn man ohne ausreichenden Schutz in die Tropen fährt.
Fachkundige Beratung schützt vor Risiken
Wichtig ist vor allem, dass man sich ausführlich von einem Tropenmediziner vor Antritt der Reise beraten lässt. Man kann sich zum Beispiel bei den zahlreichen und überall vorhandenen Gelbfieberimpfstellen beraten lassen. Auch die Gesundheitsämter verfügen über tropenmedizinische Beratungsstellen. Wichtig ist, dass man während des Beratungsgespräches seine Reiseroute detailliert erläutert und auch die Art des Reisens genau erklärt: Rucksacktouristen und Abenteuerreisende benötigen erheblich mehr Impfungen als Pauschalurlauber. Zur eigenen Sicherheit gehört es allerdings auch, dass man seinen eigenen Gesundheitszustand wahrheitsgemäß schildert.
Rechtzeitig anfangen
Wer in riskante Gebiete verreisen möchte, sollte rechtzeitig mit den Beratungen und den Impfungen beginnen. Viele Impfungen benötigen Impfabstände von mehreren Wochen. Wer zu spät anfängt, kann nicht alle notwendigen Impfungen erhalten und gefährdet so seine Gesundheit. Clevere Reisende sorgen dafür, dass sie mit ihren „normalen Impfungen“, die auch in Deutschland notwendig sind, schon lange vor Antritt ihrer Reise durch sind. Aber Vorsicht: Viele Menschen leiden unter Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Impfstoffen, so dass sie durch die Impfungen krank werden und der ganze Impfplan durcheinander gerät. Eventuell muss daher sogar die ganze Reise ausfallen. Bestimmte Reisekrankenversicherungen decken dieses Risiko eventuell ab.
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Reisevorbereitung Fernreise, Teil 1
Von Roadrunner | 10.Dezember 2011
Die Vorbereitung einer Fernreise
Die Ferne ruft. Es geht ganz weit weg! Es geht nach Übersee! Fremde Kontinente rufen. Exotische Länder laden zum Verweilen ein. So weit so gut. Aber eine Fernreise will sorgfältig vorbereitet werden. Vor Antritt einer Reise müssen folgende Angelegenheiten unbedingt geklärt werden:
- Reisepass
- Visabestimmungen
- Vorschriften und Empfehlungen zu eventuell notwendigen Impfungen
- Vorschriften zu eingeführten Medikamenten
- Vorschriften zu eingeführten Devisen
- Vorschriften über das Vorhandensein einer Rückflug- oder Weiterflugkarte
- Zollbestimmungen, Deklarationspflichten
Der Reisepass
Wer nach Übersee fährt, braucht einen gültigen Reisepass. Die meisten Länder verlangen, dass dieser Reisepass nach Eintreffen im Land noch 6 Monate lang gültig ist. Aber die Bestimmung einzelner Länder können hiervon stark abweichen. Hier ist – wie überall – Information alles. Vor allem sollte man sich darüber erkundigen, ob man bei der Einreise einen ePass, also einen elektronischen Reisepass mit gespeicherten biometrischen Daten benötigt. Es versteht sich von selbst, dass Personen, die mit vorläufigen Reisepässen, Kinderreisepässen und ähnlichen Dokumenten reisen, sich umso intensiver mit den Reisebestimmungen ihres anvisierten Reiselandes beschäftigen müssen, um hier keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.
Das Visum
Ganz besonders wichtig ist es, sich über eventuell notwendige Visa zu informieren. Dies sollte man zunächst im Internet machen. Auf der Website des Auswärtigen Amtes http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Startseite_node.html kann man über den Reiter „Reise & Sicherheit“ die „Reise- und Sicherheitshinweise: Länder A – Z“ finden. Hier einfach das gesuchte Land in die Eingabemaske eintragen und die Anfrage abschicken. Schon erscheinen die ausführlichen Hinweise des Auswärtigen Amtes. Hier ist die Rubrik zu lesen: „Einreisebestimmungen für Deutsche Staatsangehörige“. Das heißt natürlich, dass die Einreisebestimmungen für in Deutschland lebende Ausländer sowie für Österreicher und Schweizer ganz andere sein können.
Botschaften und Konsulate kontaktieren
Viele Länder ändern ihre Bestimmungen in puncto Visa von einem Tag zum anderen, so dass die Hinweise des Auswärtigen Amtes unter Umständen schon veraltet sind. Daher sollte man vor der Buchung einer Reise auf jeden Fall auch die Website der Botschaft oder eines Konsulates seines Reiselandes in Deutschland aufrufen und sich hier noch einmal über die aktuellen Einreisebedingungen für Deutsche informieren. Aber aufgepasst: Auch hier ist es möglich, dass Änderungen bei den Einreisebestimmungen einfach nicht auf der Website erwähnt werden. Ein Telefonanruf bei der Botschaft oder beim Konsulat kann daher nicht schaden. Wer seinen Flug schon gebucht hat, kann vor Antritt der Reise auch noch einmal mit seiner Fluggesellschaft telefonieren. Wer mit einem Reiseveranstalter fährt, sollte sich vor Buchung und vor Antritt der Reise dennoch eigenständig über die Visumvorschriften des Reiselandes informieren.
Sonderbestimmungen beachten
Achtung: Viele Länder sind nur visumfrei zu bereisen, wenn man über die großen internationalen Flughäfen einreist. Für denjenigen, der zum Beispiel in die USA oder nach Thailand auf dem Landweg einreisen will, gelten völlig veränderte Einreisebestimmungen. Dies gilt auch für den Fall, dass man sein Reisland kurzzeitig verlässt, um danach wieder einzureisen.
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Nordamerika
Von Roadrunner | 15.November 2011
Wer von Euch hat schon einmal Kanada oder die USA besucht? Was habt Ihr dort erlebt? Tolle Seen und Gletscher in Vancouver, das mörderische Death Valley, die sagenhafte Golden Gate Brücke oder die trügerischen Sümpfe der Everglades? Also ran an die Tasten!
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Südamerika
Von Roadrunner | 8.November 2011
Südamerika. Der unglaubliche Kontinent. Himmel auf Erden oder eher Hölle? Wart Ihr schon einmal dort? Was habt Ihr gesehen? Was habt Ihr gehört? Schildert uns Eure Erlebnisse. Habt Ihr die Wasserfälle von Iguazú gesehen? Oder den Perito-Moreno-Gletscher? Die endlosen Weiten des Salzsees von Salar de Uyuni? Was auch immer: Meldet Euch bei uns und beschreibt uns Eure Erlebnisse.
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Afrika
Von Roadrunner | 7.November 2011
Afrika! Schon der Name ist eine Verheißung! Endlose Wüsten, dampfende Regenwälder, phantastische Berge und weite Strände. Aber auch das ist Afrika: Entsetzliche Slums, zerstörte Länder, kaputte Städte und das perfekte Chaos. Wer war schon einmal da? Wer möchte auf diesem Blog darüber schreiben? Gerne würden wir von Euch hören wie Eure Reisen dorthin waren. Was habt Ihr in Afrika erlebt? Beschreibt bitte alles, was Ihr gesehen habt. Die guten wie die schlechten Dinge. Schreibt unzensiert. Wir werden es gerne lesen!
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Urlaubsklassiker Ostseeküste – wo Deutschland Ferien macht
Von Roadrunner | 22.August 2011
Die Ferien gelten als schönste Zeit des Jahres, welche man gemeinsam mit der Familie an den reizvollsten Plätzen dieser Erde verbringen möchte. Dabei ist die Ostsee schon seit Jahrhunderten kein Geheimtipp mehr. Ferien an der Ostseeküste gelten als der Klassiker schlechthin. Jahr für Jahr verbringen tausende Urlauber ihre Ferien entlang der 700 Kilometer langen Küste zwischen der Insel Usedom und der Flensburger Förde. Die Ostseeküste ist ausgezeichnet touristisch erschlossen und verfügt über eine breite Palette an Unterkunftsmöglichkeiten. Dabei wird vom Privatzimmer, über die gemütliche Pension, bis hin zum Luxushotel für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas geboten. Da die Übernachtungsmöglichkeiten an der Ostsee besonders in der Hauptsaison sehr gefragt sind, bietet es sich an, eine Unterkunft an der Ostseeküste bereits Monate im Voraus zu buchen. Portale wie Immonet bieten hierfür eine interessante Auswahl an Ferienwohnungen bzw. Ferienhäuser an.
Die Ostseeküste gilt seit langem als Urlaubsklassiker. Weite Alleen, urige Fischerdörfer, gesunde, jodhaltige Luft, herrliche Sandstrände und pulsierende Hansestädte machen die Mischung aus, welche die Ostseeküste so unverwechselbar macht. Die Wiege des Tourismus an der Ostsee liegt im Seebad Heiligendamm, welches auf Grund seiner klassizistischen Bauten auch als “weiße Stadt” bezeichnet wird. Kühlungsborn gilt als größtes Seebad entlang der deutschen Ostseeküste. Touristen schlendern über die längste Seepromenade Deutschland und erkunden die Region mit der Nostalgiebahn Molli. Urlaub am Meer wird auf einer Insel zu einem unvergesslichen Erlebnis. Rügen gilt als größte und schönste deutsche Ferieninsel. Das Landschaftsbild präsentiert sich ausgesprochen abwechslungsreich. Schmucke Villen der Gründerzeit bieten im Seebad Binz den Urlaubern ein ansprechendes Zuhause auf Zeit. Auch auf Fehmarn zeigt sich der Urlaubsklassiker Ostsee von seiner schönsten Seite. Die Insel bietet Beschaulichkeit und Trubel. Im Hauptort Burg kann ein Bummel entlang des historischen Ortskerns ebenso reizvoll sein, wie sich unter das lebendige Treiben am Südstrand zu mischen. Die Ostseeküste gilt als Urlaubsklassiker schlechthin und fasziniert Touristen immer aufs Neue.
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Aktiv auf Kreuzfahrt
Von Roadrunner | 15.Juni 2011
Ob Mittelmeer-, Karibik oder Asien Kreuzfahrt – wer eine solche Reise antritt, erfüllt sich den ganz großen Traum. Dieser Traum ist aber zumeist nicht ganz billig. Eine Kreuzfahrt ist eine nicht unbeträchtliche Investion in das eigene Glück. Kreuzfahrten leisten sich in aller Regel Menschen, die es schon “geschafft” haben: Ältere und gut verdienende Ehepaare, die bisweilen ihre Kinder mit an Bord nehmen. Das Vorurteil, dass man auf einer Kreuzfahrt nur durch die Weltgeschichte geschippert wird und passiv von einer Attraktion zur anderen gefahren wird, lässt sich allerdings nicht halten. Kreuzfahrten haben in puncto Passagierbetreuung enorm dazugelegt. Hier muss sich niemand mehr langweilen. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich im Schiffspool über das allabendliche Dinner unterhalten hat. Zahllose Freizeitaktivitäten machen die Zeit an Bord eines Schiffes zu einem echten Abenteuer. Animateure und Künstler aus aller Welt sorgen für Spaß und Abwechselung pur. So werden Kreuzfahrten zu einer Aneinanderreihung spannender Geschehnisse: Ganz gewiss nichts für Langweiler!
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Tipps und Tricks für Nordlandreisende
Von Roadrunner | 26.November 2010
Wer in den hohen Norden fährt, sollte sich gut vorbereiten. In Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland oder Island kann es wettermäßig im Sommer so „uselig“ sein, wie bei uns im Winter in Deutschland. Daher ist wärmende und Regen abweisende Kleidung einfach Pflicht. Aber Vorsicht: Wenn die Sonne wirklich einmal durchkommt, verfügt sie über eine enorme Zerstörungskraft. Daher ist es angebracht, auch immer eine gute Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor einzupacken. Schnell ist es um die eigene Haut geschehen und man hat einen Sonnenbrand, den man in Skandinavien nicht erwartet hätte.
Vorsicht beim Zelten: Das hohe Preisniveau skandinavischer Urlaubsländer lässt so manchen daran denken zu campen. Dann sollte man allerdings keine Zelte vom Discounter mitnehmen. Das Wetter ist insbesondere auf Island und in Norwegen unberechenbar und schlägt urplötzlich von einer Minute auch die andere um. Brutale Sturmböen reißen dann minderwertige Zelte im null Komma nichts in Fetzen. Um sich so etwas zu ersparen, sollte man also beim Zeltkauf auf Qualität achten. Wer sich ein Zelt zulegt, das für den alpinen Bergsport geeignet ist, fährt auch im hohen Norden nicht schlecht damit. Also: Nicht am falschen Ende sparen!
Selbstversorgung ist angesagt, denn Nahrungsmittel sind in Skandinavien sehr teuer. Wer sich auf seiner Reise nicht völlig finanziell verausgaben will, sollte Restaurants meiden und komplett auf Selbstversorgung umstellen. Glücklich ist da, wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist: Er nimmt seine Nahrungsmittel einfach mit. Was noch fehlt, wird in Supermärkten einfach dazugekauft, das ist schon teuer genug. Wichtig ist dabei die Mitnahme eines Kochers. Schwieriger wird es für den reinen Rucksacktouristen: Aber auch er kann einiges dazu beitragen sein Geld zusammen zu halten: Schon das Mitnehmen einiger Nudeltüten kann die Reisekasse ordentlich schonen.
Achtung Mücken: Jeder, der es einmal mitgemacht hat und mit geschwollenem Gesicht aufgewacht ist, kann ein Lied davon singen. Die sommerliche Mückenplage im Norden ist nahezu unerträglich. Ob es sich um den Mývatnsee auf Island oder um die vielen tausend schwedischen Seen handelt; überall wird man des Sommers heimgesucht. Ein gutes Mückenschutzmittel ist hier also ein absolutes „Muss“.
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Die Apokalypse von Otzenrath, Teil II
Von Frank Hoffmeier | 26.November 2010
Langsam schleicht unser Auto in Richtung Niemandsland. Derselbe Ort, acht Monate später: Vor einem halben Jahr standen hier noch Häuser (Teil I); jetzt liegen hier nur noch Schutthaufen – das Dorf Otzenrath existiert nicht mehr! Wo 800 Jahre lang eine Ortschaft war, sieht man jetzt nur noch die Grundrisse von Gebäuden. Das zentrale Bauwerk von Otzenrath, die katholische Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus, ist verschwunden, auch das große Rittergut Leuffen wurde ausgelöscht. Nur die Janusz-Korczak-Grundschule steht noch, aber ihre Fenster und Türen sind zertrümmert und in ihren Gängen spielt der Wind. Otzenrath wurde Opfer des Braunkohlentagesbaus.
Der Todeskampf ist vorbei
Mit den Häusern von Otzenrath ist auch die düstere Atmosphäre verschwunden. Der Todeskampf ist vorbei. Der Krampf hat sich gelöst und ist einer heiteren sorglosen Stimmung gewichen. Die Melancholie des Untergangs ist verflogen. Langsam wandeln mein Begleiter und ich über den zurückgebliebenen „Leichnam“ des Dorfes. Das Zerstörungswerk ist noch nicht ganz getan – erst wenn die monströsen Bagger kommen und den Grund und Boden regelrecht „auffressen“, ist es endgültig vorbei. Dann klafft hier nur noch ein riesiges Loch, wie nach einem Meteoriteneinschlag.
Die vorletzte Ruhestätte
Träge klettern wir über die übrig gebliebenen Steinhaufen. Wir genießen die Frühlingssonne und den warmen Wind. Der Platz, auf dem der Friedhof stand, ist noch klar zu erkennen: Überall sind die offenen Gräber der Exhumierten zu sehen. Dazu fällt mir ein Witz ein: „Zwei Otzenrather Greise treffen sich, sagt der eine zum anderen: Ich bin jetzt 85 Jahre alt und all meine Freunde und Verwandten sind auch schon nicht mehr unter der Erde…“ Tatsache ist, dass die Gebeine der Verstorbenen umgebettet wurden – auch die Toten mussten umziehen. Trotzdem wirken die Grabstätten wie geplündert – der Otzenrather Friedhof ist halt keine „letzte“ sondern nur eine „vorletzte Ruhestätte“.
Geisterschule
Unsere Füße tragen uns in die noch stehende Grundschule. Am Eingang seht ein Schild: „Betreten auf eigene Gefahr“. Eine wohlige Melancholie bemächtigt sich meiner: Generationen von Schülern haben hier ihre Fünfen kassiert, und jetzt wird die Schule von der Abrissbirne kassiert. Irgendwie ist das höhere Gerechtigkeit. Ein Gang durch das jetzt verwahrloste Gebäude macht auf drastische Weise die Vergänglichkeit allen irdischen Seins deutlich: Wo sich früher Schüler der Disziplin ihrer Lehrer unterworfen mussten, wuchert jetzt Unkraut.
Überall liegt Krempel herum. Am Eingang gammelt ein unheimliches Tier im Straub vor sich hin. Es entpuppt sich als ein von Schülerhand gemachter Krake aus Pappmaché – diese Kreatur wirkt wie wirklich hier gestrandet. Besonders aufschlussreich ist die Tafel in einem der Unterrichtsräume: Hier standen vor acht Monaten noch einstudierte Freudenbekundungen und erbauliche Losungen von der Notwendigkeit des Umzugs. Man konnte sie durch die geschlossenen Fenster der Schule erkennen. Jetzt, wo die Schule verwaist ist, kann man auf der Tafel nachlesen, was die jungen Leute in Wirklichkeit bewegt: „Eddie stinkt“, „Fuck you“ oder „Ray was here“. Otzenrath verabschiedet sich von dieser Welt mit Klosprüchen und banalen Parolen.
Am Abgrund
Das eigentliche Verhängnis von Otzenrath lauert nicht weit entfernt – es ist die gigantische Abbaustätte für Braunkohle: Ein riesiges Loch, das sich immer weiter durch die Landschaft frisst. Angetrieben wird diese Annihilation durch überdimensionale Bagger. Angeblich findet man hier auch den größten Bagger der Welt, den berühmten „Schaufelradbagger 288“. Da wir ohne Zollstock unterwegs sind, verzichten wir auf eine Überprüfung dieser Behauptung und geben uns stattdessen dem überwältigenden Anblick einer völlig zerstörten Landschaft hin. Mein bärtiger Begleiter, eine Mischung aus „Bud Spencer“ und „Kapitän Haddock“, ist in seinem Element: Er filmt und fotografiert die Apokalypse. Auch hier hat sich der düstere Eindruck des ersten Ausflugs von vor acht Monaten verflüchtigt. Die Melancholie ist einer trägen Schläfrigkeit gewichen – bei Sonne wirkt selbst der Weltuntergang beschaulich. Es ist hier fast wie an einem Baggersee. Vor mir kopulieren Käfer. Dass auch ihr Lebensraum hier vernichtet wird, stört sie nicht. Wenn das große Loch ihren Nistplatz erreichen wird, ist ihre natürliche Lebensspanne schon längst abgelaufen: Nach uns die Sintflut!
Die unheimliche Gepflegtheit der Vorgärten
Unser Auto fährt uns zum nächsten „Todeskandidaten“: Es ist die Ortschaft „Holz“. Dieses Dorf steht noch, aber nicht mehr lange. Holz ist eine klassische Geisterstadt, hier sind nahezu alle Häuser verlassen, nur wenige Menschen leben hier noch. Das Unheimliche auch hier: Alles ist sauber und ordentlich. Nichts liegt auf den Straßen herum. Jedes Zeichen von Chaos und Untergang fehlt. Besonders gespenstisch: Die Gärten der mit Brettern vernagelten Reihenhäuser befinden sich in einem Zustand penibelster Ordnung. Aber wer pflegt diese Gärten? Sind es Geister oder niederrheinische Heinzelmännchen? Man hat den Eindruck, dass die ehemaligen Einwohner stetig zurückkehren und hier nach dem Rechten sehen. Die Atmosphäre von Holz hat etwas von „den Todeskandidaten noch einmal zum Friseur schicken“: Ein frisierter Kopf rollt schließlich hübscher! Am Dorfplatz von Holz steht ein älterer Mann und wartet. Worauf ist nicht ersichtlich. Vermutlich auf seine Erinnerungen. Vielleicht hat er sich hier früher mit seinen Kumpels getroffen, in alten Zeiten, die nun endgütig und unwiderruflich vorbei sind. Uns bedenkt dieser Zeitreisende nur mit missbilligenden Blicken: Wir Katastrophentouristen stören ihn bei seinen Erinnerungen.
Neu-Otzenrath: „Plastic Fantastic America“ Nach dem „Alten“ kommt nun das „Neue“: Wieder auf der Landstraße führt uns unser Weg nach Neu-Otzenrath. Als wir die ersten Häuser des wiedergeborenen Dorfes erreichen, verschlägt es uns fast den Atem: Die Ortschaft hat bei ihrem Umzug gleich den ganzen Kontinent gewechselt. Otzenrath liegt nun in Amerika! Hier regiert der kalifornische Lifestyle. Alles ist in höchstem Maße hell und steril. Die nagelneuen Häuer sind freistehend und von Rasenflächen umgeben: Das gute alte deutsche Reihenhaus hatte in der „neuen Welt“ der Braunkohlen-Vertriebenen einfach keine Chance mehr. Keine Bäume und keine Sträucher verdecken die Blicke auf die schmucken Eigenheime. Das bedeutet aber auch das Ende jeglicher Privatsphäre. Jeder kann nun jeden beobachten. Hier hat eindeutig ein Bruch mit deutschen Stadtplanungstraditionen stattgefunden. Die „neue Offenheit“ lädt zum Spitzeln à la „american neighborhood watch“ ein: „Ich weiß, was du gestern zu Hause getan hast!“ könnte das Motto von Neu-Otzenrath werden. Aber auch ganz neue Verkehrsrisiken sind hier entstanden: Wenn ein Fahrer hier die Kontrolle über sein Auto verliert, landet er, ohne aufgehalten zu werden, in einem Wohnzimmer oder einer Küche – kein Gartenzaun und keine Mauer könnte ihn hier stoppen. Als wir den Ort durchqueren, betritt gerade eine indische Familie ihr Haus: Neu-Otzenrath zieht Aufsteiger aus aller Welt an. Amerikanisch wirkt auch die neue Schule. Hier könnten „Charlie Brown“ und“ „Snoopie“ aus dem Ausgang stolpern: „Otzenrath-High“! Auf deutschem Boden ist hier ein „Plastic Fantastic America“ entstanden: Deutsche Spießigkeit wurde durch amerikanische Mittelmäßigkeit ersetzt. Vielleicht bildet Neu-Otzenrath ja nur die Vorhut? In einigen Jahren könnten alle deutschen Vororte so aussehen. Man müsste dann nicht mehr ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ auswandern, sondern könnte im „Land der begrenzten Möglichkeiten“ bleiben, um den amerikanischen Lebensstil in seiner vollen Intensität zu genießen.
Grüße vom Omega-Mann
Unser Abgang aus Neu-Otzenrath gestaltet sich leichten Herzens: Wir sind froh dieser neukalifornischen Idylle entronnen zu sein: Zurück in Deutschland erwartet uns noch einmal ein unheimliches Endzeitspektakel: Es ist die stillgelegte Autobahn A44. Auf der verlassenen Fahrbahn wächst bereits Unkraut. Weit und breit sind keine Fahrzeuge oder Menschen zu sehen. Hier sieht es aus wie nach einem Atomunfall oder nach einem Angriff mit biologischen Waffen: Jederzeit könnte hier der einsame „Omega-Mann“, der letzte Überlebende einer globalen Katastrophe, auf der Suche nach Nahrung und Wasser auftauchen. Auch diesen Ort verlassen wir mit gemischten Gefühlen. Wir wissen: Es wird noch elf weitere Dörfer treffen. Laut Planung soll sich das Vernichtungswerk bis 2045 fortsetzen. Dann wird das große Loch geflutet. Wo einst viele Dörfer und Ortschaften standen, wird ein künstliches Meer entstehen.
Der Artikel wurde am 05.07.2007 in Readers Edition veröffentlicht
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Die Apokalypse von Otzenrath
Von Frank Hoffmeier | 24.November 2010
Langsam schleicht mein Auto über die Straße in Richtung Niemandsland. Hier bin ich nun völlig alleine. Vor mir ein verlassenes Haus. Auf der Fassade steht: „Anno 1778“. Also noch vor der Französischen Revolution gebaut. Nun muss es weg. Wie alles in Otzenrath. Das 800 Jahre alte Dorf gehört zu den 12 Ortschaften, die dem Braukohlenprojekt Garzweiler II geopfert werden. Otzenrath muss sterben, damit Deutschland heizen kann.
Behutsam kriecht mein Wagen weiter in Richtung Zentrum. Alles ist „tipptopp“. Keine Spur von Verwüstung. Niemand ist von hier in Panik geflohen – ganz im Gegenteil: Alle die weggegangen sind, scheinen noch einmal richtig aufgeräumt zu haben. Bäume und Sträucher wurden sorgsam abgeholzt, in kleine Stücke gehäckselt und zu riesigen Scheiterhaufen aufgetürmt. Die angrenzenden Felder sind mit grünen Maschinen übersät – es handelt sich um dutzende von Pumpen, die das Grundwasser absenken sollen, bevor der Abbau von Braunkohle beginnt. Sie wirken wie seltsame Maschinen aus einem Zukunftsfilm. Es entsteht der Eindruck der Neubesiedlung eines Planeten durch „Terraforming“, nur dass hier kein außerirdischer Boden für die Menschheit urbar gemacht wird, sondern dass irdisches Ackerland für immer vernichtet wird.
Nur noch wenige Meter Luftlinie trennen mich noch vom Zentrum des Ortes. Jetzt sehe ich die ersten Menschen. Es sind Arbeiter. Sie tragen blaue Anzüge und rote Helme. Auf dem Rücken schleppen sie Geräte, die über einen Schlauch mit einer langen Stange verbunden sind. Diese Stange schwenken sie hin und her. Was Sie tun, erscheint sinnlos, denn sie mähen das Gras und blasen mit einem Luftdruckstrahl den Dreck aus den Ritzen eines Bürgersteiges, den es bald schon nicht mehr geben wird. Otzenrath soll ordentlich sterben! Die Arbeiter beachten uns nicht – sie wirken wie Roboter, die eine einprogrammierte Arbeit verrichten. Ich könnte sie antippen, und sie würden nicht reagieren.
Überhaupt fehlt diesem Ort die klassische Geisterstadtatmosphäre. Es gibt keine klappernden Fensterrahmen und kein wucherndes Unkraut. Was sich hier vollzieht, ist die gründlich vorbereitete und von langer Hand geplante Vernichtung eines Dorfes. Otzenrath wird buchstäblich der Boden unter den Füßen weggezogen: Wo heute noch Häuser stehen, wird schon bald ein tiefes Loch klaffen. Und gerade das ist unheimlich: Das Dorf wird für immer und alle Zeiten ausgelöscht sein. Wäre dieser Ort durch einen Krieg oder eine Naturkatastrophe zerstört worden, könnte man ihn wieder aufbauen. Und wenn Otzenrath in den Fluten eines Staudamms versinken würde, könnte es als Ruinenstadt auf dem Grund eines Sees „weiterleben“. Aber ein Abriss mit anschließender Abtragung des Bodens bedeutet die totale Vernichtung – vollständiger kann ein Ort nicht aus der Weltgeschichte getilgt werden.
Im Zentrum angekommen halte ich. Vor mir steht eine neugotische Villa. Das Gebäude ist tadellos in Schuss. Nur einige wenige Fenster sind zerbrochen. Durch die Löcher kann man ins Innere hineinschauen: Es sieht aus wie frisch renoviert. Angesichts des lange bekannten Endes verwundert dies. Vielleicht wollten die Bewohner bis zuletzt so leben, als ob es wie bisher weiterginge, eben das berühmte Apfelbäumchen pflanzen.
Etwas weiter befindet sich eine aus braunem Backstein erbaute Kirche. Gegenüber eine Schule. Sie wirkt wie erst gestern verlassen. Auf einer Tafel mit großen Buchstaben steht in Schreibschrift: „Heute abgerissen – morgen neu gebaut. Am 09.08.06 geht die Schule nach Neu-Otzenrath.“ Dahinter stehen drei dicke Ausrufezeichen. Dann folgt noch als Bekräftigung der Satz: „Das wird super“. Die Begeisterung wirkt wie verordnet. Man sich eben in das Unvermeidliche gefügt. Aber was bleibt Schülern und Lehrern schon anderes übrig?
An die Kirche schließt sich ein Friedhof an. Ein Zettel am Eingangstor wirkt mehr als skurril: Wer die Gräber seiner Angehörigen noch nicht verlegt hat, soll „RWE Power“ oder die „katholische Kirchengemeinde St. Simon und Judas Thaddäus“ kontaktieren. Selbst die Toten müssen in Otzenrath umziehen.
Beim Rundgang über den Friedhof finde ich nur noch wenige Gräber. Die meisten Toten sind schon umgebettet worden. Auf einigen Holztafeln werden Namen aufgelistet. Sie dienen wohl der Orientierung der Arbeiter, die die Gebeine der Verstorbenen auf einem neuen Friedhof an den richtigen Stellen bestatten sollen. Einige Meter weiter werde ich überrascht: An einer merkwürdigen Stelle steht noch immer ein Stein, aber es ist kein Grabstein. Auf ihm ist zu lesen: „Den ermordeten Ungeborenen – betet für ihre Mörder“. Den Stein hat niemand mitgenommen – kaum vorstellbar, dass er woanders noch einmal aufgestellt werden würde.
Als ich den Friedhof verlasse, stoße ich auf eine andere Kirche. Da hier keine Türen mehr existieren, trete ich ein. Auf der Erde sind Bilder verstreut – auf einem kann man Jesus im Kreise seiner Jünger erkennen. Das Gestühl ist entfernt worden, so dass die Kirche nun völlig leer steht. Nur dort, wo einmal der Altar gestanden haben muss, ist in riesigen Lettern an die Wand geschrieben: „Selig sind die, die das Wort Gottes hören und bewahren.“
Ich verlasse die Kirche und mache mich endgültig auf den Weg in Richtung Apokalypse. Die Straße aus dem Dorf heraus macht einen Knick und führt dann kerzengerade auf das „große Loch“ zu. Am Dorfrand lauert schon das Verhängnis: Ein riesiger Drache, der seinen Kopf auf und ab bewegt. Er wird das endgültige Ende von Otzenrath herbeiführen. Es ist einer jener legendären Großbagger, die den Braunkohletagebau von Garzweiler so berühmt gemacht haben. Noch bin ich 100 Meter von dem Ungetüm entfernt. Mein Weg führt mich zwischen den übrig gebliebenen Beton-Pfeilern einer längst abgerissenen Brücke hindurch. Vor mir türmen sich jetzt riesige Sandberge auf. Auf einem Gipfel steht ein einsamer Radfahrer und schaut auf das Unvorstellbare hinunter. Er wirkt erhaben wie ein Reiter auf seinem Pferd: „Lonesome Rider“.
Als ich den Sandberg besteige, tut sich eine andere Welt vor mir auf. Ich sehe auf die Mondlandschaft von Garzweiler I hinunter. Sie sieht aus wie in einem Sience Fiction-Film. Der Vergleich zu Stanley Kubricks Film „Odyssee 2001“ drängt sich auf. Aber ich habe keinen Raumanzug an und bin deshalb schutzlos dem Wind ausgeliefert, der mich in dieser Höhe hin und her beutelt. Der Anblick der zerstörten Landschaft ist grandios und beängstigend zugleich. Gigantische Bagger graben sich durch endlose schwarze Ebenen. Dazwischen fahren weiße Lieferwagen hin und her. Aus dieser Entfernung sehen sie aus wie kleine Stecknadelköpfe. So werden einmal die ersten menschlichen Siedlungen auf dem Mond aussehen. Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. Das Dorf Otzenrath aber hat keine Zeit mehr.
Links neben mir steht eines der Baggerungetüme – es ist jenes, das ich schon vom Dorfrand aus beobachten konnte. Der Riesenbagger wird von einer dreiköpfigen Crew betrieben. Zumindest sehe ich nicht mehr Menschen. Und die beachten mich auch gar nicht.
Langsam und leicht benommen trete ich den Rückweg an. Ich lasse das zum Tode verurteilte Dorf hinter mir und fahre auf die Autobahn. Dann komme ich noch an einem anderen Dorf vorbei: „Neu-Otzenrath“. Hier sind sie also hingezogen, die Vertriebenen. Dieser Ort wirkt so natürlich wie eine Stadt aus Legosteinen. Neu-Otzenrath ist als Spielzeugstadt ohne Charme und Ausstrahlung wieder auferstanden. Es lohnt sich nicht für mich hinein zu fahren – ich setze meinen Weg fort und lasse das alte und das neue Otzenrath hinter mir zurück.
Dieser Artikel wurde am 31.10.2006 von Frank Hoffmeier in Readers Edition veröffentlicht.
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